Alles, was mit Kindern zu tun hat, soll möglichst billig und aus reiner Menschenliebe angeboten werden. Das sagt der Autor Andreas Steinhöfel, der in dieser Woche den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis bekommt.

VON SARAH WILDEISEN (das ganze Interview auf taz.de)

Pankow liest: Herr Steinhöfel, Wie reagieren Lehrer auf ihre Bücher?

Mich hat mal eine Lehrerin kritisiert, „Paul Vier und die Schröders“ sei nicht zur Schullektüre geeignet. Ich habe das Buch auch gar nicht als Schullektüre geschrieben. Erwachsene benutzen und instrumentalisieren Kinderliteratur oft. Bei Lesungen abends, wenn nur Erwachsene da sind, kommt immer die Frage: Warum schreiben sie Kinder- und Jugendbücher? Die erwartete Antwort ist: Damit aus unserer Welt ein besserer Ort wird. Wenn ich aber sage, weil ich damit meine Kohle verdiene, wollen das die Leute nicht hören.

Wollen Sie denn nicht, dass aus unserer Welt ein besserer Ort wird?

Mich nervt daran, dass wir alle immer heilig nach oben gucken sollen, wenn es um Kinder geht. Wir sollen dann sagen, ach die Kleinen sind ja ganz toll. Und alles, was man für die Kleinen macht, ist auch ganz toll. Das heißt, selbst die Erfinder von Hüpfburgen sind ganz toll – auch wenn sie ihre Burgen nicht aus purem Idealismus bauen und umsonst abgeben. Als Kinderbuchautor wird man das gerne gefragt.

Ist das so?

Ich meine dieses entsetzte Aufkeuchen, wenn du am Telefon sagst, wir müssen auch noch über das Honorar für die Lesung reden. Und dann kommt: „Wie? Das kostet Geld?“ Alles, was mit Kindern zu tun hat, soll möglichst billig und aus reiner Menschenliebe angeboten werden.

Wie wichtig ist ihnen das Feedback von Kindern?

Ich bin relativ viel auf Lesereise. Ich könnte es auch lassen, denn Lesungen sind nicht das, was ich wirklich will. Ich habe als Autor ganz bewusst zwischen mich und die Welt ein Schreibtisch gestellt. Dennoch brauche ich den Austausch mit den Kids. Ich will wissen, ob das Zeug ankommt, das ich schreibe.

Was passiert da bei Ihnen?

Was mich wirklich sehr getroffen hat ist, dass sich Kinder durch Rico verstanden gefühlt haben, die selber auf Förderschulen gehen. Gerade hat mich eine Klasse aus Baden-Württemberg gefragt, ob sie nach Berlin kommen können, um mich zu treffen. Die sind richtig begeistert von dem Buch, jetzt wollen sie auch den zweiten Band lesen. Aber selbst wenn sie kein weiteres Buch mehr lesen sollten, dann habe ich sie auf jeden Fall einmal auf einem Fuß erwischt, auf dem sie sich angesprochen und ernst genommen gefühlt haben. Die haben die Erfahrung gemacht, dass ein Buch kein Buch mit sieben Siegeln für sie ist und dass es sie betrifft.

Seit der PISA-Studie ist Leseförderung ein großes Thema. Fühlen Sie sich da angesprochen?

Ich finde, die Eltern sollten sich da angesprochen fühlen. Die Eltern müssen sich abends mit Ihren Kindern hinsetzen und vorlesen, statt sie vor der Glotze zu parken. Kostet eben ein bisschen Zeit und Geld – nämlich ein Buch zu kaufen.

Man könnte auch in eine Bibliothek gehen!

Klar, da gibt es tolle Angebote, die nichts kosten. Aber es kommt trotzdem kaum einer. Da ist eine seltsame Schieflage. Was nichts kostet, gilt nichts. Daher gehen viele dazu über, auch in den Schulen, Geld dafür zu nehmen. Wenn es umsonst ist, bist du da vorne der Pausenclown. Wenn ein Schüler 3 oder 5 Euro gezahlt hat, hält er auch mal die Klappe. Das ist leider oft auch schon bei Kindern so, der Wert bestimmt sich über das Geld.

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